Ja, als nichtreligiöser Jude und Anhänger des Reformjudentums lehnte Theodor Herzl den traditionellen Brauch der Beschneidung ab.
Theodor Herzl gilt als liberaler Vordenker des Zionismus und wichtiger Wegbereiter des heutigen Staates Israels. Da es bereits im 19. Jahrhundert viele Diskussionen zu Alternativen der Beschneidung innerhalb des Reformjudentums gab, wundert seine Haltung, den eignen Sohn nicht beschneiden zu lassen, nicht.
Die Beschneidung (Brit Mila) erfolgt im Judentum normalerweise am 8. Lebenstag. Sie ist seit der Antike ein zentrales jüdisches Ritual, wird aber auch innerhalb des Judentums diskutiert. Die Debatte betrifft vor allem Fragen vonReligionspflicht, Kindeswohl, medizinischen Risiken und individueller Selbstbestimmung. Vor allem in liberalen Strömungen wird die Bescheidung kritisch betrachtet. Die traditionelle Position sieht sie jedoch weiterhin als zentrales religiöses Gebot und Identitätsmerkmal.
Weiterführende Informationen:
- Segal, Jérôme: „Die Beschneidung aus jüdisch-humanistischer Perspektive: Die Beschneidung von Jungen: Ein trauriges Vermächtnis“, 2014.
- Schonfeld, Victor S.: „Debatte um die Beschneidung: Dieses Ritual widerspricht meinen jüdischen Werten“, 30.11.2012, in Süddeutsche Zeitung.
- Sylvers, Malcolm: „Zionismus und der unendliche Nahost Konflikt: Das politische und soziale Denken Theodor Herzls“, 12.05.2016, in Zeitschrift der Leibniz-Sozietät e.V.