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Wie viele verschiedene jüdische religiöse Strömungen gibt es auf der Welt?

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Viele. Innerhalb der orthodoxen und liberalen Hauptströmungen gibt es ein breites Spektrum an Unterströmungen, welche die religiösen Schriften jeweils unterschiedlich auslegen, und andere Riten pflegen.

Das orthodoxe Judentum ist die traditionellste Strömung des Judentums. Es legt das jüdische Religionsgesetz (Halacha) verbindlich aus und betont die Bedeutung der Tradition und der Tora. Zu dieser Strömung zählen auch die ultraorthodoxen „Charedim“ (zu Deutsch „Gottesfürchtige“). Sie akzeptieren als Grundlagen jüdischen Lebens und jüdischer Identität nur die Tora und die religiösen Gesetze. In der Öffentlichkeit sind sie leicht an ihrer Kleidung zu erkennen. Meist leben sie in ihren eigenen Gemeinden, ihre Weltanschauung steht jener der Mehrheitsbevölkerung häufig entgegen. 

Eine weitere Glaubensströmung ist das konservative Judentum, auch „Masorti” genannt. Dieses liegt in seiner Religionsauffassung zwischen dem orthodoxen und liberalen Judentum. So halten die Masorti an vielen traditionellen Praktiken fest, sind aber dennoch offen für eine kritische Reflektion der Gebote und einige Anpassungen und Modernisierungen der Gesetzesauslegungen. 

Dem gegenüber steht das liberale Judentum. Diese Glaubensströmung betont die individuelle Freiheit des Menschen und die Pflicht der Modernisierung der Religion. Die Ursprünge des liberalen Judentums liegen vor allem im Deutschland des 18. Und 19 Jahrhunderts. Die erste Rabbinerin Regina Jonas wurde 1935 in Berlin ordiniert.

Heute sind in Deutschland wiederum über 90 Prozent der Juden rein strukturell in orthodoxen Einheitsgemeinden organisiert. Dies hat vor allem historische Gründe in den Neuanfängen jüdischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg und sollte dazu beitragen, allen Glaubensströmungen ein gemeinsames Dach zu bieten. Die seinerzeit oft sehr kleinen Einheitsgemeinden stehen aber in der Regel bis heute allen Juden offen. Daher kann vom Begriff ausgehend kaum ein Rückschluss auf die religiöse Praxis der jeweiligen Mitglieder gezogen werden. Viele Juden bezeichnen sich so beispielsweise als orthodox, sind aber kaum oder gar nicht praktizierend.

Weiterführende Informationen:

Fragen und Antworten

Fragen gegen Hass, Diskriminierung und Unwissen

Die 20 Hauptfragen und -antworten der Kampagne Fragemauer wurden von ELNET als Kampagne von Nichtjuden für Nichtjuden gemeinsam mit anderen Partnern und einem unabhängigen Beratungsgremium, dem verschiedenste jüdische wie nichtjüdische Stimmen angehören, abgestimmt. Alle darüber hinausgehenden, auf dieser Website veröffentlichten Fragen und Antworten werden alleinig von ELNET beantwortet und verantwortet.

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Mit Unterstützung verschiedener Medienpartner und dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und dem Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein sammeln, veröffentlichen und beantworten wir Fragen zum Judentum. Wir wollen damit Wissen, Verständnis und Nähe schaffen und gegen Hass, Diskriminierung und Unwissen antreten.

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