Vermutlich ist ihnen ihre Beteiligung an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs unangenehm und sie fürchten, ihr Ansehen und ihre wirtschaftliche Lage durch die Aufarbeitung zu gefährden.
Viele deutsche Unternehmen waren an der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beteiligt. Teilweise ließen sie sich sogar für ihre Beteiligung am Holocaust bezahlen. Nicht alle wurden verurteilt.
Nach 1945 wurde diese Verantwortung lange verdrängt. Viele Deutsche sahen sich selbst als Opfer von Krieg und Vertreibung oder blendeten ihre Verantwortung aus. Das spiegelte sich in der Haltung der Unternehmen wider.
Der Kalte Krieg begünstigte diese Entwicklung, da auch die westlichen Alliierten den Wiederaufbau über eine umfassende Aufarbeitung stellten. Firmen fürchteten zudem, durch Entschädigungen ihre wirtschaftliche Basis zu verlieren, und überließen es weitgehend dem Staat, Zahlungen an Opfer zu leisten.
Erst in den 2000er-Jahren kam es unter internationalem Druck mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und dem Fonds der Jewish Claims Conference zu Entschädigungen für Zwangsarbeiter. Das verschaffte vielen Konzernen Rechtssicherheit vor weiteren Klagen.
Einige Konzerne haben ihre Beteiligung am Nazi-Regime inzwischen aufgearbeitet. Allerdings blieb ihre Verantwortung oft symbolisch und die Entschädigungen gering.
Weiterführende Informationen:
- Holocaust Enzyklopädie: “Die Rolle der Wirtschaftselite”, 21.09.2023, in United States Holocaust Memorial Museum.
- Klawitter, Nils: “Unternehmen und ihre NS-Vergangenheit. Deutsche Peinlichkeiten”, 24.04.2017, in Spiegel Online.
- Ulrich, Bernd: “I.G.-Farben-Prozess vor 8 Jahren. Für immer mit der Ausbeutung von KZ-Häftlingen verbunden”, 03.05.2017, in Deutschlandfunk.
- Weinmann, Martin, Anne Kaiser und Ursula Krause-Schmitt: “Liste der Unternehmen, die im Nationalsozialismus von der Zwangsarbeit profitiert haben”, 1999.